WAS SIND URBAN GAMES?

Urban Games

Urban Games sind Spiele im öffentlichen Raum. Die Spielenden benutzen auch oft ihre Handys, aber in erster Linie handelt es sich um analoge Spiele - also Kontakt mir echten Menschen, Bewegung in der Stadt, Action...

Anstatt auf abgegrenzten, speziell markierten Spielfeldern (wie z.B Fussballplätzen) spielt man Urban Games mitten im Alltag der Stadt. Was für andere eine Fußgängerzone, eine Einkaufsmall, ein öffentlicher Platz, ein Park, eine Bushaltestelle oder ein langweiliger Gehweg ist, wird für Urban Gamer zum Spielfeld – auf dem alle mitspielen können und auch mitspielen sollen. Die Faszination liegt also nicht ausschließlich in der Spielwelt selbst, sondern auch in der Tatsache, dass diese Spielwelt gleichzeitig die 'ernsthafte' Welt ist und die Spiele mit den alltäglichen Situationen verschmelzen.

Für Außenstehende ist es oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, was gerade passiert. Woher sollte man auch ahnen, dass die Menschen die da in Gruppen in der Stadt aktiv sind, gerade die (Spiel-)Welt retten? Dadurch stellen Urban Games nicht nur für die Spielenden selbst, sondern auch für Passanten und Unbeteiligte eigentlich gewohnte Situationen in Frage und schaffen neue Blickwinkel auf scheinbar alltägliche Orte und Situationen. Das ist spannend, herausfordernd, informativ, unterhaltsam und aufregend, - und vor allem macht es sehr viel Spass!

 

Was bringt das?

Spiele unterscheiden sich von der „ernsten“ Welt vor allem dadurch, dass sie gar nichts „bringen“ müssen – sondern einfach nur Spaß machen. Abgesehen davon haben Spiele im Allgemeinen und Urban Games im Besonderen einige sehr positive Nebenwirkungen:

Schon immer war Spielen eine der wichtigsten Methoden des Menschen um Fähigkeiten zu erlernen. Durch das Spielen werden neue Welten geschaffen – mit eigenen Regeln, Bedeutungen und Anforderungen. Da das Spiel nicht Teil des „normalen Lebens“ ist, sondern mit eigenen Regeln außerhalb der „Normalität“ steht, kann Spiel den Kreislauf aus existenziellen Pflichten und Zwängen unterbrechen und Raum schaffen für Anderes, für Neues. Das Spiel ist ein Schutzraum, in dem sich Menschen erproben und Neues aneignen können. Im Moment des Spielerischen werden wir besonders kreativ und gehen lösungsorientiert an Aufgaben heran.

Das alles sind positive Aspekte des Spielens, die in unserer Gesellschaft immer mehr verloren gehen oder nur den Kindern vorbehalten bleiben. Mit Urban Games lässt sich das ändern und die positiven Effekte des Spielens für alle zugänglich machen!

Für die Spielenden

Urban Games machen vor allem Spaß! Außerdem ermöglichen sie euch, neue Orte besonders intensiv kennen zu lernen und bekannte Städte auf neue Art zu erkunden und zu erleben. Urban Games verändern und erweitern den Blick auf die Stadt. Sie verbessern eure Orientierung, fördern kreatives Denken sowie Kommunikations- und Improvisationsbereitschaft.

Durch das Spielen in der „echten Welt“ und durch die Begegnungen mit anderen Spielenden und Außenstehende stärken Urban Games das Selbstbewusstsein.

Und ohne dass es auffällt, werdet ihr bei den meisten Spielen nebenbei sogar noch etwas lernen!

 

 

 

Für Gruppen (Freunde, Arbeitsteams, Hochzeitsgesellschaften..)

Da die meisten Urban Games in Gruppen oder Teams gespielt werden, entstehen schöne Gemeinschaftserlebnisse, eine spielerische Komplizenschaft und geteilte Erinnerungen, die auch noch Monate später zum Schmunzeln anregen können.

Das gemeinsame Spielen von Urban Games stärkt den Teamgeist, schweißt Gruppen zusammen und fördert die Teilhabe aller an den Entscheidungsprozessen.

Das zufällige Publikum der Passanten wird je nach Spiel auch manchmal miteinbezogen, was Urban Games nie völlig vorhersehbar macht und dadurch Kreativität, Improvisationsbereitschaft und eine gute Kommunikation fördert.

 

Für die Kommune

Durch Urban Games kann einem stetigen Prozess der Entfremdung der Stadtbewohner*innen von ihrem Lebensumfeld entgegengewirkt werden: „Spiele erschaffen einladende Welten, durch die sich die Spieler selbst bewegen. Spieler fühlen sich als Teil dieser Welten und haben ein eigenes Interesse an den sich entwickelnden Ereignissen.“ (Jenkins 2013)

Allein dadurch, dass die Spielenden die Stadt und ihre öffentlichen Räume kreativ nutzen und mit anderen Spielenden und auch Nicht-Spielenden zusammentreffen, wird das soziale Leben vor Ort belebt und eine lebenswerte Urbanität geschaffen. Durch die Auseinandersetzung der Spielenden miteinander und mit Passanten werden demokratische, integrative Gruppenprozesse ermöglicht.

Das Erschaffen von frohen, angenehmen Gemeinschaftsmomenten, die an das „Spielfeld Stadt“ geknüpft sind, fördern ein positive Identifikation mit der städtischen Umgebung und den Mitmenschen. Dadurch, dass in diesen Momenten nur zählt, wer mitspielt und nicht, woher dieser Mensch „ursprünglich“ kommt, können Urban Games zudem Integrations- und Inklusionsprozesse fördern.

Innerhalb der Spielwelten machen die Spielenden zudem die wichtige Erfahrung, dass ihre Handlungen direkten Einfluss auf den Ablauf und den Ausgang des Spiels haben. Dadurch, dass bei Urban Games die Spielwelt immer auch mit der „echten Welt“ identisch ist, können diese Erfahrungen auch im Alltag „einen nachhaltigen Einfluss auf die Beziehung der Einzelnen zu ihrer Stadt und Umgebung leisten und darüber hinaus Partizipation und Teilhabe stärken.“(Ackerman 2016)

Für Tourist*innen und Besuchende oder auch Neubürger*innen einer Stadt ermöglichen Urban Games einen niedrigschwelligen, spielerischen Weg die Stadt von ihren schönsten Seiten kennenzulernen – und auch die weniger schönen Seiten als Potential zu erkennen und zu schätzen.

All das erhöht die Lebensqualität, wirkt sich stärkend auf das städtische Leben aus und festigt bei Bewohner*innen und Besuchenden ein positives Bild der „erspielten“ Stadt.

 

Für die Passanten

Für Passanten und zufällig Beobachtende ist oft nicht auf den ersten Blick ersichtlich, was bei einem Urban Game geschieht, nach welcher Logik sich die Menschen durch die Stadt bewegen. Aber es ist meist zu erkennen, dass etwas Ungewöhnliches vor sich geht. Dadurch entsteht eine Situation, die dem Performance-Theater sehr ähnlich ist: die Passanten werden zum Publikum. „Es ist die Uneinordbarkeit, die fasziniert und Interesse bei nicht spielenden Personen generiert. Das Verhindern oder Erschweren der Unterscheidbarkeit von spielerischen und ‚ernsthaften‘ Handlungen im Urban Gaming fördert die Auseinandersetzung der spielenden und nichtspielenden Personen mit den bearbeiteten Themen und bespielten Räumlichkeiten“. (Ackermann 2014)

Der Versuch, das Geschehen einzuordnen fördert auch beim Publikum eine Auseinandersetzung mit dem öffentlichen Raum, der Stadt und den alltäglichen Routinen. Und im besten Fall werden aus Beobachtenden dann selbst Spielende!


*Jenkins, Henry et al. (2013): Bildung neu gedacht. Spiel, Simulation, Performanz, Transmedia-Navigation. In: Gundolf S. Freyermuth (Hg.): Serious games, exergames, exerlearning: zur Transmedialisierung und Gamification des Wissenstransfers. Bielefeld: Transcript, S. 23–48.

**Ackermann, Judith (2016): Urban Gaming. Formen und Auswirkungen des Spielens mit und in der Stadt. In: PH Lesenswert. Online-Magazin des Zentrums für Literaturdidaktik Kinder Jugend Medien (1), S. 2–8. Online verfügbar auf www.academia.edu, zuletzt geprüft am 26.10.2016.

***Ackermann, Judith (2014): Location Based Mobile Gaming in der Stadt – Spielerische Eroberung des urbanen Raums und Hybrid Reality Theatre. In: Thomas Christian Bächle und Caja Thimm (Hg.): Mobile Medien – mobiles Leben. Neue Technologien, Mobilität und die mediatisierte Gesellschaft. Berlin: LIT (Bonner Beiträge zur Onlineforschung, 3).